Netzwerk Nachhaltigkeit: Grüner Strom

Zweiter Runde für die Initiative „Netzwerk Nachhaltigkeit“ der Wirtschaftsjunioren: Es ging um grünen Strom, den Green Deal und PV-Anlagen auf Unternehmensdächern.

Nachdem beim ersten Treffen Wirtschaftsjunior Philipp Wacker, geschäftsführender Gesellschafter der Riegler & Co. KG, zeigte, wie sein Unternehmen klimaneutral wurde, widmete sich die Gruppe dieses Mal bei der Kemmlit GmbH in Dußlingen dem Thema grüner Energie. Durch den Abend führte Christof Kocher, Financial Reporting Service, der vorab noch Input zum Green Deal der EU gab. Der Spezialist für Unternehmens- und Nachhaltigkeitsberichte ging auf die EU-Taxonomie ein, eine Art Klassifizierungssystem für wirtschaftliche Aktivitäten, die als nachhaltig eingestuft werden. Das ist das Herzstück des Green Deals: Unternehmen, die nachweisen können, dass sie taxonomiekonform sind, sollen für Investoren und Konsumenten attraktiver werden. Das hat auch Folgen für die Finanzwirtschaft. Die muss im Rahmen der Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR), darlegen, inwiefern ihre Finanzprodukte nachhaltige Investments enthalten.

Im Anschluss gab Mona Keller, Leiterin Asset Management & Grundsatzplanung FairNetz GmbH, einen Überblick über die Herausforderungen für die Stromnetzbetreiber hinsichtlich der Energiewende. Sie müssen das Netz stabil halten, auch wenn unzählige neue Erzeuger und Abnehmer von Strom hinzukommen und Sonne und Wind den Strom nicht gleichmäßig ins Netz einspeisen. Um das Netz im Gleichgewicht zu halten, wäre sogenannte Smart Grids, also intelligente Stromnetze, von Nöten. Dem steht allerdings die Cybersicherheit entgegen. Zudem erklärte Mona Keller, was grüner Strom eigentlich ist. Sie Unterschied zwischen normalen Ökostrom und der Premium-Variante. Nur bei letzteren sei garantiert, dass auch wirklich die Energiewende unterstützt wird und der Bau neuer grüner Anlagen gefördert wird – im Gegensatz zu „normalem“ Ökostrom, der nur durch Zertifikatehandel grün gemacht wird.

Grüner Strom in der Praxis
Wie Unternehmen grünen Strom selbst produzieren können, erzählte Hans Rainer Bühler, BEN Kunststoffe Vertriebs GmbH. Bereits vor 12 Jahren installierte er auf dem Firmendach die erste PV-Anlage, weitere sollten folgen - bis kein Platz mehr frei war. Im tschechischen Werk des Familienbetriebs wurde diese Strategie ebenfalls verfolgt, zudem wird dort demnächst ein Speicher in Betrieb gehen. So wird sichergestellt, dass Spitzen in der Stromproduktion gespeichert werden können und bei eventuellen Stromausfällen genügend Eigenstrom vorhanden ist, um Schäden an den Maschinen verhindern zu können. Die Investitionen lohnen sich, nicht nur für die Umwelt. Bei den aktuellen Energiepreisen amortisieren sich die PV-Anlagen schneller, als Hans Rainer Bühler anvisiert hatte. Er gab zu Bedenken, dass auch vermeintlich kleinere Maßnahmen schon helfen können, die Energiekosten zu senken, wie beispielsweise die Umrüstung auf LED-Lampen. Eine Fortsetzung der Reihe soll Folgen.